Predigt

Das Gebet des Herzens
Immerwährendes Gebet

das dem Hauptgebot? Müsstest du nicht GOTT danken für jedes Wimpernzucken, das Er dir schenkt, damit es dir den Staub von den Augen wischt?

Es heisst nicht nur: „Du sollst GOTT, deinen Herrn, lieben!“, sondern: „Du sollst GOTT, deinen Herrn, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus deinem ganzen Gemüte und aus allen deinen Kräften!“ Wie aber kannst du diesem Gebot der Liebe, dem Hauptgebot, gerecht werden? Durch die so sehr empfohlenen Herzens- und Stossgebetchen schenkt dir GOTT Gnade und Kraft, in der Liebe zu wachsen.

 

„Betet ohne Unterlass!“ (1 Thess 5,17)

Das Gebet ist etwas so Natürliches. Es gehört zum Menschen wie essen, trinken und atmen. Glaube mir: Wer nicht betet, verliert den Kontakt zu GOTT, verliert also GOTT, ist kein Christ mehr. Denn beten ist, schlicht erklärt: Reden mit GOTT. Und das kann man zu jeder Zeit. Erschrecke nicht: Immerwährend beten soll das Ziel deines Betens sein! Vielleicht denkst du: „Wie soll ich das tun? Ich kann doch nicht den ganzen Tag in die Kirche sitzen und beten. Bin schon froh, wenn ich mit dem Morgen-, Mittag- und Abendgebet über die Runden komme.“ So zu denken zeigt, dass du das echte Gebet noch nicht erkannt hast. Die Folge davon ist, dass du immer wieder aufs Neue bekennen musst: „Ich habe mein tägliches Gebet unterlassen, weil mir die Zeit hierzu fehlte.“

Wenn du das Gebet so verstehst, wie es der hl. Franz von Sales erklärte, dann spielt Zeit für das Beten keine Rolle. Denn dann wird alles in deinem Leben zum Gebet. Wohnt denn nicht der HEILIGE GEIST in dir? Wenn du dich mit Ihm vereinst, wird alles, was du tust, zum Gebet. Dein Aufstehen am Morgen, dein Waschen und Anziehen, dein Frühstücken, deine Arbeit, dein Autofahren, dein Gespräch mit den Menschen. Alles, was du denkst, redest oder tust, kann Ausdruck deines Betens sein. „Möget ihr nun essen oder trinken oder etwas anderes tun, tut alles zur Ehre Gottes!“ (1 Kor 10,31) Franz von Sales sagt: „Alle Handlungen jener Menschen, die Gottesfürchtig leben, sind ständige Gebete und heissen Gebete des Lebens. Ebenso kann man sagen, dass diejenigen, die Gutes tun, beten, weil sie dadurch GOTT ganz nahe sind.“

 

Gebet – Ausdruck der Liebe

Wichtig ist, dass du dir bewusst wirst, dass dein Gebet Ausdruck deiner Liebe zu GOTT ist. Bete nicht, damit du sagen kannst: „Jetzt habe ich meine Pflicht erfüllt.“ Wenn du die Gottesliebe verwirklichen willst, dann eben dadurch, dass du alles in deinem Leben zum Gebet werden lässt. Aber nicht aus Pflicht, weil es getan werden muss, sondern alleine um GOTT zu erfreuen. Ein kleines „Gegrüsst seist Du, Maria” von Herzen gebetet ist mehr wert, als wenn du den Rosenkranz durchbetest, nur damit du deine Pflicht erfüllt hast. Alles, was du tust, sei es ein mit dem Mund gesprochenes Gebet, sei es das in der Betrachtung versunkene Gebet, sei es die Arbeit für den Nächsten, alles sollst du zur Freude Gottes verrichten. Das ist Gebet!

 

Die Gegenwart Gottes

Es soll dir bewusst und allgegenwärtig sein, dass in deinem Leben nichts ohne die Gegenwart Gottes geschieht. GOTT ist immer bei dir, nicht um dich zu kontrollieren, sondern um dir zu zeigen, dass Er dich liebt, dass Er dein Dasein nicht meidet, sondern wünscht. Da ist es doch selbstverständlich, dass man mehr als nur die Gebete zu den Tageszeiten macht. Was würde dein Ehegatte sagen, wenn du ihm nur am Morgen ein schnelles ”guten Morgen” und abends nur ein flüchtiges ”gute Nacht” sagen würdest und weiter nichts?

Also GOTT wünscht, dass du dir Seiner Gegenwart bewusst wirst. Er wartet darauf. Sagen wir es einmal ganz naiv: GOTT ist sehr traurig, wenn du Ihn während deines Tagewerks lieber nicht in deiner Nähe haben willst. Glaube mir: Leben und Gebet ist eine Einheit.

Wenn du also deine Arbeit beginnst, denke bewusst an GOTT, versetze dich in Seine Gegenwart. Denke, „dass GOTT als ein Freund neben dir steht“, wie der hl. Franz von Sales sagt. Lass dich von deinem Schutzengel während deiner Arbeit an die Gegenwart Gottes erinnern. Aber damit du deinen Schutzengel hören kannst, musst du dich auf ihn justieren. Es ist gerade so, als wolltest du im Radio einen Kurzwellensender suchen. Es braucht Geduld und Feingefühl, bis du den Sender klar und deutlich empfängst.

 

Dein persönliches Gebet des Herzens

„Nicht der lernt beten, der sich Gebetsmethoden und fromme Bücher aneignet, sondern der, welcher sein ganzes Leben auf GOTT ausrichtet. Sage also zu GOTT: ‚Ja, ich möchte, dass Du immer in meiner Nähe bleibst in allem, was ich denke, rede und tue, weil auch ich Dich liebe und nichts tun will, was Dich traurig macht.‘ Erhebe immer wieder dein Herz zu GOTT, pflege in deinem Herzen die Stossgebete, und sei glücklich, dass du Ihm gehörst!“, schreibt Franz von Sales. Mein persönliches Herzensgebet ist momentan: „HERR, ich möchte Dir eine Freude sein! HERR, mach mich zu Deiner Freude!“

 

Herzensgebet öffnet dich für GOTT

Diese zwei konkreten Schritte, das Versetzen in die Gegenwart Gottes und die Stossgebete, hindern dich nicht an der Arbeit. Sie machen dir bewusst, dass GOTT in deiner Nähe ist, dich liebt, und wecken in dir den Wunsch, diese Liebe zu erwidern. Wenn du diese Art zu beten beginnst, wirst du erfahren, wie oberflächlich du bisher im Alltag gelebt hast, wie viele Zeichen und Anregungen Gottes und deines Schutzengels du überhört hast. Nur in der Vereinigung mit GOTT öffnet sich in dir etwas, womit du die kleinsten Regungen wahrnehmen kannst, womit du die Stimme Gottes hinter den Ereignissen immer besser erkennst. Diese Art zu beten sollte dir wirklich nicht schwer fallen. Und wenn du denkst: „Oh, jetzt habe ich es wieder so lange vergessen!“, dann ist das doch schon ein Zeichen, dass es dir nicht egal ist, dass du eine tiefere Verbindung mit GOTT haben möchtest.

Die Kunst des Betens ist nichts anderes als die Kunst des Liebens! Damit will gesagt sein: Wer GOTT liebt, der kann nicht anders als beten, immer nur beten. Hierbei redet mehr das Herz, die Seele als die Lippen. Du beginnst, die Welt mit den Augen Gottes zu sehen. Du wirst dich mit deinem ganzen Herzen in GOTT verlieben. Ist das schlimm? Die Liebe unter Menschen ist grossartig, denn sie ist von GOTT gegeben. Aber die Liebe, die dir GOTT schenkt, ist eben göttlich und unendlich tiefer. Er ist die Liebe. Zu sterben am Übermass dieser Liebe und aus Sehnsucht nach meinem GOTT, der mein Alles ist, das ist mein Begehr. Amen!

Predigtauszug vom 13. Januar 2008


Seid gesegnet vom Dreifaltigen GOTT,
der + VATER und der + SOHN und der + HEILIGE GEIST. Amen!

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